Von Maria Bueche, 12.03.10, 21:03h
Eine Promenade durch diverse Küchen hat sich das erst seit wenigen Monaten in der Hausnummer 87 eröffnete Restaurant „Feldküche“ gleich zum Motto der Speisekarte gemacht. Ein bisschen griechisch-mediterran, ein bisschen deutsch-gutbürgerlich, ein bisschen englisch, etwas Exotik - gekocht wird sozusagen querfeldein. Die Küche hält sich bei den Gerichten an den kulinarischen Konsens, es geht ihr nicht um neue Spielarten. Steht „Fish & Chips“ (10,50 Euro) auf der Tafeln an der Wand, liegt später auch Fish & Chips auf dem Teller und das so, wie man es eben haben will, wenn man nicht auf Überraschungen aus ist. Nämlich sauber gemacht mit sehr gut frittiertem Kabeljau ohne Fettgeschmack in der luftigen Panade und 1-a-Pommes. Punkt. Ebenfalls unter die Kategorie verfeinerte Imbiss-Küche fällt die hausgemachte Currywurst - und da gibt es dann sehr wohl Überraschendes. Wem die Ohren bei Hymnen auf die liebste Wurst von allen noch nicht völlig ausgeleiert sind, der sollte hier mal herhören: Diese Variante ist knapp vor sensationell, denn die mittelgrobe Wurst ist fein gewürzt und der Ketchup kommt dem asiatischen Urprodukt wohl näher als jeder konventionelle Vertreter. Besonders akzentuiert mit dem zitronigen Aroma von Kaffir-Limonenblättern trägt diese Sauce bei zu einer echt entschleunigten Fastfood-Party.
Zeit für die DingeWeitere Punkte sammelt die handwerklich äußerst solide vorgehende Küche mit dem Einsatz frischer Produkte und der Maxime, sich Zeit für die Dinge zu nehmen. Die spricht sowohl aus der fruchtigen lauwarmen Tomatensauce zu gegrillten Auberginenscheiben mit Parmesan wie auch aus der selbstgerührten Mayonnaise mit viel Dijonsenf zur richtig ausgereiften Avocado (beide Vorspeisen 6,50 Euro).
Die großzügig portionierten Pasta-Gerichte machen gleichfalls Freude. Die schwarzen Fettucine mit Meeresfrüchte (14,50 Euro) waren üppig ausgestattet mit Venus-Muscheln, zartem Pulpoarm, Sepie und Garnelen - alles in einem gut gewürzten Tomatensugo. Die Pappardelle mit zart-mürbem Hirschragout kamen mit einer schön lange eingekochten nach Lorbeer und Wacholder duftenden Sauce an den Tisch. Dagegen fielen andere Hauptspeisen ab. Zwar verbarg sich hinter der schlichten Ankündigung „Kaninchen“ (17,50 Euro) eine gut gegarte aromatische Keule, die noch von zwei luftigen Kaninchen-Buletten begleitet war. Dem sehr weichen Wurzelgemüse aus Karotten und Pastinaken hätte aber ein Kontrapunkt gut getan. Gleiches gilt für die Flugentenkeule (15,50 Euro), die an sich in Ordnung war. Aber thronend auf einem Berg Sauerkraut, das seine Spannung allein aus zu bitter geratener karamellisierter Orangensauce beziehen sollte, wirkte sie kompositorisch arg alleingelassen.
Die offenen Weine sind freundlich kalkuliert und sorgfältig ausgesucht. Passendes findet sich zwischen dem Riesling von Pfaffmann und dem Dornfelder von Rings (0,2 l von 3,80 bis 5,50 Euro) jedenfalls. Dass man dieses insgesamt sehr gelungene Sammelsurium hier auch in der Innenausstattung umgesetzt hat, macht die „Feldküche“ zu einer außergewöhnlichen und sympathischen Adresse. Nichts passt zusammen, weder das Mobiliar, noch die dekorative Gestaltung. Dennoch entsteht durch den wilden Mix mit viel Kunst, die unter anderem mit Wäscheklammern an Leinen befestigt ist, ein ausgesprochen origineller und gastfreundlicher Raum. Eine weitere Bereicherung für die Alteburger Straße.
Das Restaurant
Alteburger Straße 87
50678 Köln Südstadt
0221/3761497
Öffnungszeiten: täglich ab 18 Uhr
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